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Chronik


Einem Bericht des Amper-Boten vom 15. Juni 1922 ist zu entnehmen, dass unter dem Vorsitz der Bürgerschützen Dachau am 10. Juni 1922 der Gau 6 Bezirk Dachau gegründet wurde. Zum Gauschützenmeister wurde damals Nikolaus Deichl aus Dachau gewählt.

Die Anfangsjahre des noch jungen Schützengaus waren geprägt von einer schlimmen wirtschaftlichen Rezession. Trotz einer unaufhaltsamen Inflation ließen sich die Schützen nicht entmutigen. Ein Auszug aus dem Kassenbuch verdeutlicht die finanziellen Nöte.
Der Gauschützenmeister bestätigte im Kassenbuch, dass die Einträge der Jahre 1922 und 1923 infolge von Geldentwertung gegenstandslos sind.

Die bayerische Schützenordnung regelte für die Schützengesellschaften die organisatorischen und verwaltungstechnischen sowie die technischen Bestimmungen.

Das gesellige und freundschaftliche Beisammensein pflegten die Schützengesellschaften im Gau untereinander, aber auch mit den Nachbargauen. Es wird von Gauausflügen nach Haimhausen und Indersdorf und zum benachbarten Gau Starnberg berichtet. Im sportlichen Bereich maßen sich die Gauvereine in Vergleichskämpfen.

Alljährlich beteiligte sich der Schützengau Dachau mit einer eigenen Musikkapelle am traditionellen Oktoberfest-Schützenzug. Zur Landesbannerweihe im Jahre 1926 marschierten 14 Schützengesellschaften aus dem Gau Dachau durch die Straßen Münchens.

Mit der Errichtung einer modernen Schießanlage im Dachauer Stadtwald im Jahr 1928 durch die königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Dachau besaß der Gau Dachau eine allen Anforderungen entsprechende Schießanlage für Kleinkaliberschützen, welche von allen Vereinen im Gau benutzt werden konnte. Zum Leidwesen der Schützen musste 1954 der Schießbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt werden.

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933, dem Gau waren damals 40 Schützengesellschaften mit 985 Mitgliedern angeschlossen, hielt auch das Führerprinzip Einzug im Schützenwesen. Die nach demokratischen Grundsätzen geleitete Führung und Verwaltung endete mit Anordnung des Deutschen Schützenbundes vom 24. Oktober 1933. Es folgte die Umbenennung in Unterkreis 6 Bezirk Dachau. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen litt zwangsläufig das gesellige Vereinsleben. Neue Worte und Begriffe tauchten auf, so u. a. Sportgroschen Gau Hochland oder Opferschießen für das Winterhilfswerk.
Im Laufe der folgenden Jahre erhöhte sich die Anzahl der dem Gau Dachau beigetretenen Gesellschaften ständig und erreichte 1936 die stattliche Zahl von 53. Der Gau Dachau reichte damals weit über die Grenzen des heutigen Landkreises hinaus. Vereine aus Allach, Schleißheim, Hohenkammer, Lustheim, Ludwigsfeld, Garching und Herschenhofen waren dem Gau angeschlossen.

Im Jahre 1936 fand auch ein Wechsel in der Führungsspitze der Gauvorstandschaft statt. Zum 1. Gauschützenmeister wählte die Delegiertenversammlung mit dem bekannten Dachauer Sattlermeister Josef Mayr einen Mann an die Spitze, der die Geschicke des Gaus für die nächsten 30 Jahre lenken sollte.

Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges übernahm dann Ludwig Ernst 1940 die Unterbezirksschießleitung. 1942 kam das Sportschießen völlig zum Erliegen, waren doch zahlreiche Schützenbrüder zum Militärdienst eingezogen worden.

Von 1945 bis 1951 ruhte die Tätigkeit des Schützengaus Dachau. Alle Waffen (Zimmerstutzen) mussten abgeliefert werden. Einige Schützengesellschaften unternahmen Anfang der 50er Jahre die ersten Versuche, den Schießsport neu zu beleben. Zur Ausübung des Schießsportes wurde das Luftgewehr erlaubt. Die Waffe war in den Augen der Schützen recht für die Schießbude auf dem Jahrmarkt, hatte aber im Schießstand nichts zu suchen. Als Traditionswaffe galt der Zimmerstutzen. Die anfängliche Abneigung der Schützen gegen das Schießen mit dem Luftgewehr legte sich schon bald, da sich diese Waffe als brauchbar für den sportlichen Wettkampf erwies.

Die Vereine, zu Unrecht aufgelöst, konnten ihr Bestehen wieder beantragen, ohne eine Neugründung vorzunehmen. Der Wunsch vieler bereits wieder aktiver Gesellschaften des Landkreises, wieder einen Schützengau ins Leben zu rufen, ging 1951 in Erfüllung.

Am 5. November 1951 gründeten beim Kochwirt in Dachau 17 von 44 ehemaligen Schützengesellschaften den Schützengau Dachau im Bayerischen Sportschützenbund. Zum ersten Gauschützenmeister wurde Josef Mayr aus Dachau gewählt.

Die Aufwärtsentwicklung des Schützengaus Dachau verdeutlicht im Jahre 1953 die auf 27 aktive Vereine mit 960 Schützen  angewachsene Mitgliederzahl. Für die neu geschaffene Bezirksschützenkette stiftete auch der Gau Dachau einen gefassten Kettentaler. Außerdem beschloss die Jahreshauptversammlung vom 15. März 1963 die Anschaffung einer Gauschützenkette, für die jeder Verein einen umrandeten Taler geben sollte.

Im Jahre 1959 entschloss man sich, um den sportlichen Wert echter Meisterschaften in den Vordergrund zu setzen, die Gaumeisterschaften zukünftig nach den Regeln der Deutschen Sportordnung in einem separaten Wettkampf durchzuführen. Bei der ersten Gaumeisterschaft waren 219 Schützen angetreten.

In den folgenden Jahren lief der Schießsport in den Vereinen auf Hochtouren. Anfang der 60er Jahre feierten zahlreiche Vereine im Gau Vereinsjubiläen oder weihten ihre Vereinsfahnen. Bei den Vereinsschießen gab es beachtliche Ergebnisse und die Freundschaftsschießen förderten die Aktivitäten der Vereine untereinander. Besonderes Augenmerk soll man auf die Förderung der Jungschützen richten - so ein Aufruf des Gauschützenmeisters - um mit regelmäßig stattfindenden Schießabenden einen Anreiz für den Wettkampf zu bieten.

Die Zulassung zu gleichen Bedingungen von Zimmerstutzen und Luftgewehr bei Wettkämpfen war endlich erreicht. Auch fanden sich die ersten Damen zu Schießveranstaltungen ein und entlockten so manchem alten Schützenbruder Bewunderung durch ihre Zielsicherheit.

In der Gauvorstandschaft des Schützengaus Dachau bahnte sich 1966 eine einschneidende personelle Veränderung an. Der bisherige 1 Gauschützenmeister Josef Mayr Deutschland legte sein Amt, das er 30 Jahre lang inne hatte, aus gesundheitlichen Gründen nieder.
Bei der Jahreshauptversammlung am 6. Januar 1966 sollte ein geeigneter Nachfolger gefunden werden. Der plötzliche Tod des langjährigen 2. Gauschützenmeisters Simon Mayr am 3. Januar 1966 zwang zur Verschiebung der geplanten Neuwahl. Bei der nächsten Versammlung wurde Theo Luber zum neuen Gauschützenmeister gewählt.

Bei der Schießleiterversammlung am 3. Mai 1966 faßte die Versammlung den Beschluß, Punktrunden-Wettkämpfe auf Gauebene einzuführen.
18 Vereine meldeten spontan ihre Mannschaften an. Die Rundenwettkämpfe zählen bis zum heutigen Tag zu den wichtigsten Wettkämpfen im Vereinsjahr und werden von 85 Mannschaften bestritten.

Nach der Wahl unseres bisherigen 1. Gauschützenmeisters Theo Luber zum Bezirksschützenmeister wurde bei der Jahreshauptversammlung am 6. Januar 1972 in Großinzemoos Josef Aschbichler mit überwältigender Mehrheit zum 1. Gauschützenmeister gewählt.

Unter der Ära Aschbichlers (Gau Sepp) wuchs die Zahl der Mitglieder von 3000 auf 7000 an. Die Jugendarbeit und der Schießstättenbau in den Vereinen waren ihm besonders wichtig. Sepp Aschbichler hat jährlich rund 100 Veranstaltungen besucht und war bei den Vereinen in Stadt und Land sehr beliebt.
In seine Amtszeit fiel auch die Wiederaufnahme der Gaupreisschießen mit dem damaligen Sportleiter Eduard Lakota mit dem neu gegründeten Verein Amperland Dachau.
Die Tradition des Gaupreisschießens wurde somit im Schützengau Dachau wieder belebt und wird bis zum heutigen Tag aufrechterhalten.
Der Wettkampf um die Sparkassenscheibe ist ebenfalls auf die Initiative von Sepp Aschbichler zurückzuführen.
Die Verdienste von Josef Aschbichler um das Schützenwesen im Landkreis Dachau wurden bei der Jahreshauptversammlung des Schützengaus Dachau im Jahr 1992 gewürdigt. Aus der Hand seines Nachfolgers Hans Dallmair erhielt Josef Aschbichler die Ehrenurkunde zur Ernennung des Ehrengauschützenmeister.
Ehre, wem Ehre gebührt!

Im sportlichen Bereich zählen die Gaumeisterschaften, Gauvergleichskämpfe, Jugendfernwettkämpfe, Gaujugendpreisschießen, Damenpokal sowie Sparkassenpokal, Oldie-Cup, Rundenwettkämpfe, Vereinswettkampfschießen, Mutter und Kind Schießen und das 100 Schuß Turnier zu den festen Veranstaltungen im Schießjahr.

Das Jahr 1996, ein Jahr der Trauer.
Völlig unerwartet verstarb am 4. Februar 1996 der langjährige 2. Gauschützenmeister und Gauehrenmitglied Hans Fried und am 17. April 1996 unser Ehrengauschützenmeister und Ehrenmitglied des Bezirks Oberbayern Sepp Aschbichler. Beide Schützenkameraden waren mit Leib und Seele dem Schützenwesen verbunden.
So war es selbstverständlich, dass zahlreiche Fahnenabordnungen bei den Beerdigungen das letzte Geleit gaben.

Der Schützengau Dachau feierte vom 25. bis 27. April 1997 in Markt Indersdorf sein 75-jähriges Gründungsfest. Leider konnte der geplante Festumzug wegen des schlechten Wetters nicht durchgeführt werden. Am Festplatz in Indersdorf wurde ersatzweise ein Platzschießen durch unsere Böllerschützen abgehalten.

Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2002 wurde Alfred Reiner aus Unterweikertshofen von der Vollversammlung zum 1. Gauschützenmeister gewählt.

Eine Vielzahl von erfolgreichen Einzelschützen und Mannschaften stammen aus unserem Gau. Hier seien stellvertretend folgende Schützen und Vereine der jüngsten Vergangenheit genannt.

Petra Gasteiger, Bezirksschützenkönigin

Bianca Menzel, Bezirksschützenkönigin

German Zellner, 2004 Bezirksschützenkönig Luftpistole

Peter Wolf, 2006 Landesschützenkönig Luftpistole

Petra Horneber, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen spielen in Atlanta

Norbert Gau,

                 Mannschaftseuropameister und Mannschaftsvizeweltmeister.

                 Silbermedaillengewinner in Peking 2008

WTC- Dachau als erfolgreicher Verein über viele Jahre bei Bayerischen und Deutschen Meisterschaften.

Germania Prittlbach als erfolgreiche Mannschaft in der Bundesliga.

Auch mehrere Funktionäre aus dem Schützengau Dachau waren und sind im Bezirk Oberbayern und beim BSSB aktiv.

Johann Rieger als Landesjugendsportleiter
Werner Hauke als 2. Bezirksjugendleiter
Hildegard Kalig als 2. Bezirkssportleiterin bzw. als 2. Bezirksschriftführerin
Herbert Kalig als Bayernligaleiter beim BSSB.

Alfred Reiner, 2 Bezirksschützenmeister ab 2008



Um die Ehre des Gauschützenkönigs in der Schützenklasse und in der Jugendklasse kämpfen jährlich ein Vielzahl von Schützen. Es ist für jeden Schützen ein besonderes Ereignis, die Würde eines Schützenkönigs auf Vereins- oder Gauebene zu erreichen.

Im Jahre 2002 feierte der Schützengau Dachau sein 80- jähriges Gründungsfest. Das Fest wurde in Schwabhausen gefeiert. Beim Festabend im Postsaal wurde Hans Dallmair zum Ehrengauschützenmeister ernannt. Ebenfalls erhielten langjährige Vereinsfunktionäre die neu  eingeführte Gauehrennadel in Gold.

Im Jahre 2007 (am 14. und 15. April) war der Gau Dachau erstmalig Ausrichter eines Bezirksschützentages. Der 57. Bezirksschützentag wurde mit einem Festabend im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau abgehalten. Mit einem prächtigen Festzug, an dem sich 40 Vereinen aus dem Gau Dachau, und vielen Gästen aus ganz Oberbayern beteiligten wurde der Bezirksschützentag eröffnet. Der Festgottesdienst fand in der Stadtkirche Sgt. Jakob statt. Die Bezirksversammlung war ebenfalls im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau.

Der Schützengau Dachau hat sich bis zum heutigen Tag in seiner 85-jährigen Geschichte als ein sportlich orientierter und an der Tradition festhaltender Gau gezeigt. Die unserem Gau angeschlossenen 67 Vereine mit ihren über 7000 Mitgliedern sind verlässliche Gemeinschaften für unsere Orte und Gemeinden und tragen mit Ihren Aktivitäten zu einem wesentlichen Teil zum positiven Erscheinungsbild unserer Gesellschaft bei.

Halten wir an der Tradition fest und gestalten gemeinsam unsere Zukunft.

Unterweikertshofen, den 15.04.2007